Hallo mein Freund,
(ich trau mich einfach, euch einzeln mit “Du” anzusprechen…)

gerade sitze ich draußen auf der Pony-Eselweide und lasse mich immer wieder von unseren Tieren besuchen. Nico, einer unserer Esel versucht mir zwar ab und zu meine Laptophülle oder Bibel mit seinem Maul weg zu nehmen und damit abzuhauen, aber dagegen komm ich schon an!
Diesem Brief sind schon einige Anläufe vorausgegangen. Es hat bisher nicht gereicht. Ich kann dir sagen, dass es in meinem Leben nicht langweilig wird. Oh wie sehr bin ich Gott dankbar, dass ich nie das Gefühl von Langeweile verspüre. Im Gegenteil, in meinem Kopf schwirren viele Dinge umher, die ich so machen könnte, aber nicht die Zeit, Kraft oder Möglichkeit habe. So bin ich froh, dass mir einige Dinge in den letzten Monaten wieder möglich wurden und leichter fielen. Aber darüber berichte ich dir später.
Erst einmal  möchte ich zwei Fragen beantworten, die mir häufig gestellt und manchmal schon von dem Fragenden selbst beantwortet werden.

Die erste Frage ist folgende:
Ist es nicht schwer, an Gott festzuhalten, wenn es dir so schlecht geht? Ich staune, dass du dich immer noch an ihm festhältst!“

Jesus loszulassen und ihm die Leitung meines Lebens nicht mehr zu überlassen, wäre das Dümmste, was ich je tun könnte. Er ist schließlich der einzige, der mir jetzt und in Zukunft zur Seite stehen kann - ohne Kompromisse. Meine Familie und Freunde lieben mich, aber sie können mir nicht überall hin folgen und helfen. Jesus schon! Und so lerne ich ihn besonders in den harten Zeiten besser kennen. So, wie man einen Freund bei Problemen besser kennen lernt. Und mal ehrlich, was für einen Grund hätte ich, dass ich ihn ignorieren sollte? Etwa die typische Frage “Wie kann Gott das zu lassen?” Gott hat seine Gründe, für alles was Er tut und seine Gedanken sind “Gedanken des Friedens”(Bibel).  Aus den letzten Jahren kann ich dir eine Menge Dinge aufzählen, für die es gut war, dass Gott es zugelassen hat, dass ich krank bin. Ich werde es nie ganz raus finden, wofür es gut war und ist. Doch eines kann ich:  Ich kann die Hilfe meines Schöpfers annehmen und mich tragen lassen. Sei gewiss, Er liebt es nicht, wenn wir leiden müssen. Aber auf der Erde gibt es leider noch den Teufel, der alles zerstören will.  Diese Welt ist „Gott sei dank“ nur die Vorbereitung auf unser eigentliches Leben. Und Gott gibt uns freie Wahl, wo wir die Ewigkeit einmal verbringen wollen.
In der Bibel steht:
„Denn unsere jetzigen Sorgen und Schwierigkeiten sind nur gering und von kurzer Dauer, doch sie bewirken in uns eine unermesslich große Herrlichkeit, die ewig andauern wird!
So sind wir nicht auf das Schwere fixiert, das wir jetzt sehen, sondern blicken nach vorn auf das, was wir noch nicht gesehen haben. Denn die Sorgen, die wir jetzt vor uns sehen, werden bald vorüber sein, aber die Freude, die wir noch nicht gesehen haben, wird ewig dauern
.“ 2.Korinther 4:17-18
So bin ich zu dem Entschluss gekommen, Gott zu danken für die Jahre vor der Krankheit. Die Jahre, die Er mich in seine Schule genommen hat und es mir in meinen „leichteren“ Zeiten ans Herz gelegt hat, viel von ihm zu lernen. Denn so war es für mich keine Ausnahmesituation plötzlich auf Jesus vertrauen zu müssen, „nur“ weil mir der Boden unter den Füßen genommen wird.
Wo stehen deine Füße?
„Wer auf mich hört und danach handelt, ist klug und handelt wie ein Mann, der ein Haus auf massiven Fels baut. Auch wenn der Regen in Sturzbächen vom Himmel rauscht, das Wasser über die Ufer tritt und die Stürme an diesem Haus rütteln, wird es nicht einstürzen, weil es auf Fels gebaut ist.“ Matthäus 7:24

Wir tendieren immer dazu, wenn überhaupt, Jesus nur in Notfällen anzureden. Doch weißt du was? Mein tiefer Wunsch ist, dass du die Gegenwart von Jesus suchst, bevor Probleme auftauchen. Nutz die Zeit, die du hast, weise, damit du dein Leben auf einem Felsen baust und nimm Gottes Ratschläge in der Bibel ernst!
„Ihr habt genauso in der Sünde gelebt wie der Rest der Welt, beherrscht von Satan, der im Machtbereich der Luft regiert. Er ist der Geist, der in den Herzen derer wirkt, die Gott nicht gehorchen wollen.“ Epheser 2:2
...Dem Teufel möchte ich jedenfalls nicht gehören...
Also, hätte ich etwas Gutes daran, wenn ich Gott nicht vertrauen und nicht seine Gegenwart suchen würde? Du darfst mir gerne mal eine e-Mail schreiben, wenn dir etwas einfällt, warum ich Ihm nicht vertrauen sollte!

Die 2. Frage in letzter Zeit:
„Es muss schwer sein bis Ende Mai zu warten, wo die neuen Ergebnisse über die Bestrahlung raus kommen sollen, stimmts?!“

Ein weiser Mann in der Bibel hat einmal gesagt:
„Freu dich an deiner Jugend, und leb unbeschwert in deinen jungen Jahren! Schlag den Weg ein, zu dem dein Herz sich hingezogen fühlt, und tu, was deinen Augen gefällt. Aber vergiss nicht, dass du dich vor Gott für alle deine Taten verantworten musst.
Gib dich nicht schlechten Launen hin und halte dir die Sorge vom Leib.“ Prediger 11:9-10
Es ist richtig, ich weiß nicht, was für ein Ergebnis Ende Mai bei den Untersuchungen heraus kommt, aber weiß denn ich überhaupt, was morgen sein wird? Nein, weiß du was morgen mit dir sein wird?
Ich warte nicht auf Ende Mai.  (zumal ich da wieder ein Jahr älter werde... ich weiß, manch einer meint, es ist nicht alt, aber das ist wie Vieles Ansichtssache ) Warum sollte ich die Zeit die ich davor habe nicht mein Leben genießen und mich über alles freuen, was ich zur Zeit tun kann? Also mein Leben leben?
„Genieß jeden flüchtigen Tag deines kurzen Lebens, das Gott dir auf dieser Erde gegeben hat...“
„Die Weisen haben oft nichts zu essen, die Klugen sind nicht immer reich, und die Gebildeten sind nicht unbedingt beliebt. Sie sind alle abhängig von Zeiten und Umständen. Kein Mensch weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Die Menschen werden vom Unglück überrascht, wenn es plötzlich über sie kommt...“
„Denk an deinen Schöpfer, solange du jung bist. Warte damit nicht, bis du alt bist...“
„Denk an deinen Schöpfer, bevor der silberne Faden des Lebens reißt...“            
aus Prediger 9
Also stoppen kann ich die Zeit meines Lebens nicht, aber mich entscheiden, was ich daraus mache, dass kann ich. Da ich Jesus habe, der mir Ewiges Leben, Freude, Frieden, Halt und noch vieles mehr gibt, habe ich keinen Grund, mein Leben nicht in Freude zu genießen.
Gerade in einer Zeit wie dieser ist für mich jede Minute noch wertvoller geworden. Es nützt niemanden, sich zu bemitleiden, zu warten, bis man mir den Stand meines Tumors im Körper sagt, verbittert Gott gegenüber zu werden oder meinem Körper gegenüber.
Natürlich habe ich mal die ein oder andere Träne im Auge, wenn ich mir vor Augen halte, dass mein Leben vielleicht kürzer als gewöhnlich werden könnte oder die Ärzte eines Tages den Tumor operativ entfernen müssen und ich dadurch querschnittsgelähmt werde. Doch das soll mein Leben nicht ausmachen. Da gibt es mehr. Und: „Jeder Tag hat seine eigene Sorge…“ (Matthäus 6)
Außerdem ist es momentan nicht der Fall und so nutze ich mein Leben um meinen Schöpfer zu loben, einfach weil Er mein Schöpfer ist. Abgesehen von dem Segen, den Er mir immer wieder hat zukommen lassen und lässt. 

Ich bin gewiss, dass Jesus mich, egal was kommen wird, nicht fallen lässt. Würdest du so  einem treuen Freund die Freundschaft kündigen, wenn es kompliziert wird?  Ich hoffe dir zum Wohle, dass du es nicht tust. Und wenn du Jesus noch nicht zum Freud hast, dann rate ich dir, egal, ob dein Leben gerade einfach oder schwer ist, die Freundschaft mit ihm anzufangen. Er wartet schon lange darauf, dir Frieden für dein Leben zu geben! Sei gewiss, Er beobachtet dich und wartet auf dich, weil Er dich liebt.
Jetzt mag der eine oder andere denken „blablabla...“  Doch, wenn Jesus nur blabla ist, dann würde ich Ihm jetzt nicht mehr die Fäden meines Lebens überlassen. Er zwingt uns nicht zu unserem Glück. Das ist deine eigene Entscheidung.

So, nun möchte ich dir doch noch von meinen Freuden in den letzten Monaten erzählen... also nur ein paar, ansonsten werde ich hier nicht fertig…
Du bist im übrigen ein großartige Leser!!!

Viele Menschen haben dafür gebetet, dass ich einen Platz für die Schwerionentherapie bekomme. Es war nicht selbstverständlich, einen solchen zu bekommen. Nun habe ich sie seit einigen Wochen schon hinter mir!
Als ich zur Therapie zugelassen wurde, haben wir Gott um Weißheit für die Ärzte gebeten, damit sie, die richtige Lagerung für mich finden, da bisher  hauptsächlich nur Kopftumore mit dem Gerät behandelt wurden.
Vor einiger Zeit habe ich eine e-Mail von einer Schwester, die dort arbeitet, bekommen. Sie ist Christ und hat sich sehr darüber gefreut, dass ich kommen konnte. Sie konnte sich noch an die Planungen für meine Lagerung erinnern und wusste noch, wie sie am Anfang vor einem großen Rätsel standen. Die Lagerung wurde so gut geplant, dass ich selten im Anschluss an die Therapie Schmerzmittel brauchte. Im Gegenteil, ich bin immer währenddessen eingeschlafen.
Was für eine Erleichterung war es, dass mein Zustand es zuließ, dass ich während der Bestrahlung nicht stationär bleiben musste, sondern bei lieben Freunden in der Nähe wohnen durfte. Und dazu immer einer von meinen Eltern mit dabei war. Oh, wie dankbar bin ich Gott für meine Eltern...und natürlich den Rest meiner Familie.
Innerhalb von dem letzten halben Jahr war es mir möglich gleich zweimal meine Freunde in Schweden zu besuchen, was immer zu meiner Freude beigetragen hat. Und Lachen ist doch gut fürs Immunsystem… Im April konnten Silas und ich sogar mein Quad mitnehmen und durch den Schwedischen Wald düsen! Cool, oder?!

Zwischen Weihnachten und Neujahr haben mich ein Freund aus Kanada und einer  aus Hamburg besuchen, die ich in Schweden kennengelernt habe. Es war eine gesegnete Zeit für alle von uns, die leider viel zu schnell vorbei war.
Währenddessen ist meine Freundin Myri mit Daniel, bei dessen Hochzeit ich im August war, auch zu Besuch gekommen...
In diesem Jahr durfte ich einige gute Freunde empfangen, was jedes Mal eine große Freude für mich war. Bis dahin, dass meine kleinen Nichten immer wieder bei uns vorbei schauen. Es ist spannend, die Entwicklung der Zwei zu beobachten.

Oh, eins muss ich dir noch erzählen. Als Eva und Judith vor kurzem bei uns  waren, konnten meine Mutti und ich mit den Zweien zu einem Isländerhof (Isländer=Ponyrasse) fahren und dort einen richtigen Ausritt an der Ostsee machen. Mein Isländer war so lieb, dass ich galoppieren konnte. (Mein Becken hat es mit einer extra Ladung Schmerzmittel auch ertragen.)
Damit hat sich ein Jugendtraum sogar für meine Mutter erfüllt. Ihr lächeln auf dem Pony war das Beste…!

So, jetzt habe ich auch ein Lächeln im Gesicht, wenn ich an all die Ereignisse in den letzten Monaten denke (so sehe ich aus: ). Wie froh bin ich, dass meine Kraft die mir die Chemo genommen hat, langsam aber sicher wieder kommt und ich den Winter ohne eine einzige Erkältung erleben durfte. Und das bei meinem Immunsystem!
Dankst du Jesus mit mir für all das Gute, was Er uns täglich gibt? Und lass uns unser Leben Ihm zur Ehre leben! Halte mit mir an Ihm fest, unabhängig von unseren Umständen und genieße jede Freude, die Er für uns im Angebot hat. Und wenn es mal schwer wird, sei gewiss, Er wird dich tragen, wenn du Ihn lässt.

Deine Puschel

10. Mai 2010

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